Liz' drittes Lebensjahr war nicht einfach. Ab ihrem zweiten Lebensjahr kamen nach und nach  einige Verhaltensweisen zum Vorschein, die es nötig gemacht hätten, mit dem Training fortzufahren.

 

Sie drehte auf und ging "nach vorne", wenn ihr ein anderer,  fremder Hund zu nahe kam. Desweiteren wurde sie auch den anderen Hunden im Haushalt  gegenüber immer kontrollierender und versuchte, diese immer mehr einzuschränken. Es gab Streitereien zwischen ihr und Gauri und sie versuchte, die anderen Hunde zu mobben. Sie versuchte auch, Ressourcen wie Liegeplätze oder den Zugang zu Futter oder Wasser zu kontrollieren.

 

Ein großes Problem war ferner, dass es in dem Hundeverein, in dem ich zu diesem Zeitpunkt noch war,  große Unstimmigkeiten gab.  In Folge spaltete sich der Verein und eine zweistellige Anzahl Mitglieder - so auch ich - traten aus Solidarität mit  dem früheren Vorstand und seiner Frau- "meiner" Trainerin, bei der ich Assistenztrainerin war - aus. Es waren alles Menschen, die eine sanfte Art des Hundetrainings für notwendig erachteten, das auf die Bedürfnisse des Hundes Rücksicht nimmt.

 

Zwar gründeten wir einen neuen Verein und unsere Trainerin eine eigene Hundeschule, doch der Verein hatte noch keinen Platz, auf dem wir trainieren konnten. Liz und ich waren eine Art "Kollateralschaden", wie es mal genannt wurde, geworden. Zu einer Zeit, zu der wir ein ähnliches, weiterführendes Training gebraucht hätten, wurde uns plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Ich hatte ,  als sie ein Jahr alt war,  alle restlichen Schafe und Ziegen verkauft, weil ich es zeitlich einfach nicht mehr schaffte, Schafen, Ziegen und Hunden gerecht zu werden. Ohne die Schafe und Ziegen allerdings musste ich meinen Hunden Alternativen bieten, um sie auszulasten. Ohne Trainingsmöglichkeit wurde alles auf einmal sehr schwierig. Im alten Verein weiter trainieren wollte und konnte ich nicht; zu unfair waren diese Differenzen ausgetragen worden. In anderen Vereinen jedoch wurde teilweise noch wie vor 20 Jahren trainiert: Sitz-Platz-Fuss. Ich hatte eine andere, bessere Art, Hunde auszubilden,  kennengelernt und wollte diese Erfahrung vertiefen und mit meinen Hunden weiterhin auf so schonende, artgerechte Art arbeiten. Außerdem war ich inzwischen durch das Training in den beiden Junghundekursen und auch das Studium zur Hundeverhaltensberaterin bei der ATN  so sensibilisiert worden, dass ich es kaum ertragen kann, wenn ich irgendwo einen robusteren Umgang mit Hunden sehe oder erlebe. Ich weiß noch, wie ich testweise mit Liz eine Probestunde THS (Turnierhundesport) bei einem anderen Verein ausprobierte und einer Hundebesitzerin in den Arm fiel, die mit der Leine an ihrem Hund ruckte, weil er nicht korrekt "bei Fuß" lief. Dringend brauchte ich eine Möglichkeit, mit Liz weiter zu arbeiten,  doch fand ich keine. Es bleib nur ein Weg: es wie früher alleine zu versuchen.

 

Um an ihrer sozialen Kompetenz zu arbeiten und ihr die Möglichkeit des Kontaktes zu Hunden außerhalb meines Haushaltes zu geben, besuchte ich mit Liz ein Doggy-fit-Seminar und gründete selbst eine"social walk"- Gruppe. Daneben vertiefte ich mein Studium und bot selbst zwei Hundekurse an. Dabei musste ich jedoch erkennen, dass es leichter ist, mit fremden, als mit dem eigenen Hund zu arbeiten. "Betriebsblind", wie man so schön sagt. Die Teilnehmer der Gruppen waren von Unterricht genauso angetan, wie ich es früher gewesen war, doch bei der Arbeit mit Liz hatte ich alle Mühe.  Obwohl ich alle Freizeit mit meinen Hunden verbrachte, kostete sie mich nach wie vor alle Energie.

 

Passierten wir andere Hunde, klebte Liz` Blick förmlich an mir. Doch ließ meine Konzentration eine Sekunde nach, da ich ja mit mehreren Hunden unterwegs war, "brüllte" sie den fremden Hund an. Zweimal hatte sie auch Auseinandersetzungen mit  fremden Hunden, und das, obwohl ich inzwischen anderen Mensch-Hund-Gespannen in großem Bogen aus dem Weg ging. Mit ihr bekannten Hunden, so auch in der social-walk-Gruppe klappte das Laufen problemlos, so lange die anderen Hunde einen gewissen Abstand zu ihr hielten. Kamen uns fremde Hunde entgegen, klappte es auch, wenn ein großer Abstand eingehalten wurde. Waren die fremden Hunde jedoch nicht angeleint und rannten auf uns zu - ihr wisst schon, die "tun-ja-nichts"- knallte es regelmäßig. Liz ließ sie erst gar nicht auf Tuchfühlung an sich heran. Schaffte ich es, den anderen Hund oder die anderen Hunde zu blocken, ging alles gut. Schaffte ich es nicht, weil es entweder zwei Hunde waren oder aber der Hund an mir vorbei witschte, war die Keilerei vorprogrammiert. Ich wählte immer einsamere Strecken zum Laufen und immer andere Uhrzeiten, um bloß niemandem zu begegnen. Auf solchen Spaziergängen konnten alle meine Hunde und ich entspannen. Wir machten Körperübungen über Naturmaterialien zB Baumstämme - ganz langsam und konzentriert.Es gab Schnüffelübungen und Suchspiele. Ich setzte alles um, was ich bei meiner früheren Trainerin,  bei der ATN, auf Seminaren, durch Bücher und Webinare gelernt hatte und für sinnvoll, passend und praktikabel erachtete. Dabei achtete ich auf eine ausgewogene Mischung zwischen Kopfarbeit zB Intelligenzspiele oder Suchspiele,  Bewegung zB beim Canicross, dass ich für Liz und Bella anfing und Entspannungsübungen zB konditionierte Entspannung durch Lavendelduft und Körpermassagen auf ihrem "sicheren Platz".

 

Dennoch glich das Zusammenleben mit Liz einer Achterbahnfahrt. Was an dem einen Tag noch klappte, funktionierte am nächsten Tag nicht mehr. Hatten wir eine unangenehme Hundebegegnung auf einem Spaziergang, brauchte Liz nicht Stunden sondern Tage, bis sie wieder einigermaßen "normal" reagierte. Stressige Zeiten wie Silvester oder Fastnacht mit dem Geböllere und dem Geknalle war Dauerstress hoch zehn. Liz kam trotz aller Managementmaßnahmen und Entspannungsübungen kaum "runter" und die Anspannung tat weder Liz, noch den anderen Hunden, noch mir selbst, gut. An diesen Tagen war sogar der "Bärengang" eine Übung, die Liz sehr schwerfiel, obwohl sie diese Übung liebt und auch im Schlaf beherrscht. Doch natürlich gab es auch "gute Tage". Das waren Zeiten, in denen der rote Hibbel für ihre Verhältnisse relativ entspannt war und sich diese Entspannung dann auch auf die anderen Hunde übertrug. An solchen Tagen war sogar eine Hundebegegnung mit fremden Hunden unspektakulär und ohne Probleme möglich. Meinen Hund so entspannt zu bekommen, wie sie mutig und draufgängerisch ist - das war mein Ziel.

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