Hüte- und Hirtenhunde - damals und heute

 

 

 

 

Hunde der FCI Gruppe 1, also Hüte-, Treib- und Hirtenhunde, seien es Australian Shepherds, Border

 

Collies, Belgische Schäferhunde oder andere Rassen, erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit -

 

sowohl im Hundesport als auch als familiärer Begleiter.

 

 

Gleichzeitig steigt aber auch ihre Zahl in Hundeschulen und als „Problempatienten“ bei

 

Hundepsychologen, Verhaltensberatern und Hundetherapeuten sowie ihre Zahl als Tierheiminsassen.

 

 

Warum ist das so?

 

 Was macht ihre wachsende Beliebtheit aus?

 

 Und warum gibt es häufig Probleme?

 

 

Sind es wirklich die idealen Begleiter oder ein lebender Anachronismus, der nicht mehr in unsere

 

moderne Zeit passt?

 

 

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, muss man sich zuerst einmal damit beschäftigen, wofür

 

diese Hunde ursprünglich gezüchtet wurden und teilweise noch heute genutzt werden.

 

 

Anschließend werden wir uns näher anschauen, wie diese Hunde in ihrem ursprünglichen Umfeld als

 

Arbeitshunde gehalten werden und wie ihr Tagesablauf aussieht.

 

 

 

Hütehunde-Hirtenhunde-Treibhunde

 

 

 

Die ursprüngliche Verwendung

 

 

 

Auch wenn im alltäglichen Sprachgebrauch Hirten- und Hütehunde synonym verwendet werden, ist

 

es nicht dasselbe.

 

 

Hirtenhunde, besser wäre der Begriff Herdenschutzhunde, sind große, kräftige Hunde, wie

 

beispielsweise der Sarplaninac, der Kuvasz oder Cane de Pastore Maremmano-Abruzzese, deren

 

ursprüngliche Aufgabe es war und ist, die Tierherden vor zwei- und vierbeinigen Beutegreifern zu

 

schützen. Die Hunde wachsen als Welpen mit der Tierart, die sie später schützen sollen, auf. Meist

 

sind dies Schafe, seltener Ziegen. Der Welpe wird im Schafstall geboren und lernt Schafe nicht nur

 

kennen, sondern wächst mit ihnen zusammen auf. Später ist es seine Aufgabe, zusammen mit

 

anderen Herdenschutzhunden, die Herde täglich zu begleiten, Tag für Tag, Sommer wie Winter, bei

 

Wind und Wetter. Seit es in Deutschland wieder vermehrt Wölfe gibt, findet man an einigen Herden wie

 

früher wieder diese alten Rassen in ihrer ursprünglichen Bestimmung.

 

 

Treibhunde hatten früher die Aufgabe, Nutztiere, meist Rinder oder Schafböcke, von A nach B zu

 

bringen. Oft war der Bestimmungsort das Schlachthaus, und die zu treibenden Tiere nicht etwa

 

friedliche Milchkühe, sondern wehrhafte Ochsen, Hammel, Stiere oder Böcke. Für diese Arbeit

 

brauchte man kräftige, körperlich robuste und wehrhafte Hunde, die sich durchsetzen konnten, den

 

Tritten und Stößen der Tiere auswichen und sie mit Bellen oder gezielten Griffen (Biss in bestimmte

 

Körperregionen, oft die Fessel) vorwärts trieben, ohne die Nutztiere jedoch unnötig zu stressen, da

 

diese sonst wertvolles Gewicht ( Kilos waren/sind bares Geld) verlieren würden. Auch heute noch

 

findet man bei vielen Treibhunden – Australian Shepherds, Australian Cattle Dogs, Westerwälder

 

Kuhhunden - den sogenannten „heel“, also den Fersenbiss, der genetisch verankert ist.

 

 

Ein Schäferhund wiederum hat die Aufgabe, dem Schäfer bei der Arbeit an der Schafherde (seltener

 

Ziegenherde) zu helfen. Bei den Schäferhunden muss man zwischen dem Herdengebrauchshund und

 

dem Koppelgebrauchshund unterscheiden, da sich hier nicht nur die Arbeitsweise unterscheidet,

 

sondern sich auch für die verschiedenen Arbeitsweisen spezialisierte Rassen im Laufe der

 

Jahrhunderte herausgebildet haben.

 

 

Herdengebrauchshunde begleiten die Schafherde auf deren Wanderschaft. Sie pendeln links und

 

rechts der Herde entlang („geigen“ oder „wehren“ genannt) und achten darauf, dass die Herde beim

 

Herdenzug nicht zu breit wird und die Herde auf den vorgeschriebenen Wegen bleibt, also

 

beispielsweise die Getreidefelder links und rechts des Weges ignoriert. Befindet sich die Herde im

 

Gehüt (weites oder enges Gehüt, das heißt ein sehr großes Gelände, auf dem sie fressen dürfen oder ein

 

begrenztes Gelände), patroulliert der Herdengebrauchshund entlang der Grenzen und treibt Nascher,

 

die die Grenze übertreten, zurück. Dafür darf er drei Arten von Griffen (ein Griff ist ein kurzes,

 

druckvolles Zubeissen, ohne die Tiere zu verletzen) verwendet: den Nacken- Keulen- oder Rippengriff.

 

Sind die Schafe oder Ziegen in einem unübersichtlichen Dornenwald verteilt, darf er sie auch durch

 

Bellen zusammentreiben. Ansonsten ist Bellen nicht gerne gesehen, da dies die Schafe erschreckt.

 

Solche Hunde, „Feldprediger“ genannt, werden ungern zur Herdenarbeit eingesetzt. Typische

 

Herdengebrauchshunderassen sind die Altdeutschen Hütehunde, die Holländischen Schäferhunde,

 

die Deutschen Schäferhunde u.v.m.

 

 

Koppelgebrauchshunde haben und hatten eine ganz andere Aufgabe. Auf der einen Seite ist hier die

 

Arbeit im Stall, der Koppel und am Pferch zu nennen. Sowohl beim Entwurmen, beim Scheren oder

 

beim Füttern müssen Tiere entweder getrieben, oder aber fern gehalten werden. Auf der anderen Seite

 

müssen Schafe und/oder Ziegen, die oft im weitem, unübersichtlichen Gelände verstreut grasen,

 

gefunden, zusammengetrieben und an einen anderen Ort gebracht werden. Dafür braucht man Hunde,

 

die nicht zu groß, dafür aber wendig und feinnervig sind. Sie müssen einerseits sehr selbstständig

 

denken und arbeiten, andererseits jedoch auf Pfiffe des Schäfers noch in viele Kilometer Entfernung

 

reagieren. Der Border Collie ist die bekannteste Koppelgebrauchshunderasse.

 

 

Eigenschaften

 

 

Die Anforderungen von damals bestimmen auch heute noch die Genetik und das Verhalten dieser

 

Hunde. Und daraus ergeben sich heutzutage oft Probleme, wenn der Hund nicht seinen Anlagen

 

entsprechend gehalten wird. Um dies zu verdeutlichen, ist es hilfreich, sich den Alltag dieser Hunde in

 

ihrem ursprünglichen Arbeitsumfeld anzuschauen.

 

 

Herdenschutzhunde

 

 

Neben ihrer stattlichen Größe war und ist es für einen Herdenschutzhund, der seine Herde beschützt,

 

wichtig, einerseits eine recht hohe Reizschwelle zu haben, andererseits aber auch ein gewisses

 

Misstrauen gegenüber allem, was nicht zu „seiner Familie“ gehört und die Bereitschaft, diese

 

kompromisslos, notfalls mit dem eigenen Leben, zu verteidigen. Ein Herdenschutzhund wird seine

 

ihm anvertraute Herde bewachen und überwachen. Sieht er einen Eindringling sich nähern, wird er

 

ihn zuerst mit massivem Verbellen und Drohen zu vertreiben versuchen. Werden diese Warnungen

 

ignoriert, wird der Herdenschützer deutlicher und setzt als letztes Mittel seine Waffen – die Zähne –

 

ein.

 

 

Zu Unrecht werden Herdenschutzhunde oft als stur bezeichnet. Man muss bedenken, dass diese

 

Hunde jahrhundertelang darauf selektiert wurden, das Eigentum des Menschen zu schützen und hier

 

oft auf sich alleine gestellt waren. Hierzu brauchte der Mensch Hunde, die selbstständig handeln

 

konnten, ohne auf Erlaubnis des Besitzers zu warten, denn oft war dieser gerade nicht bei der Herde

 

und der Hund bzw die Hunde waren der einzige Schutz der Nutztiere. Ein Hund, der nicht in der Lage

 

war, seine ihm anvertraute Herde ohne die Einwirkung des Menschen zu bewachen und zu schützen

 

war nutzlos und wurde von der weiteren Vermehrung ausgenommen.

 

 

Hütehunde

 

 

Auch Herdengebrauchshunde, also Schäferhunde für Wanderherden, hatten neben ihrer Eigenschaft

 

als „lebende Grenze“ die Aufgabe, die Herde gegen Diebe – hauptsächlich zweibeinige – zu schützen.

 

Aus dieser Zeit und dieser Aufgabe resultiert neben einer sehr großen Ausdauer und

 

Leistungsfähigkeit eine gewisse Verteidigungsbereitschaft, die diesen Rassen und Schlägen eigen ist

 

und die man nie fördern sollte.

 

 

Viele Herdengebrauchshunderassen haben neben einem hohen Bewegungsdrang einen sehr großen

 

Beutetrieb und einen gewissen Jagdtrieb. „Schafe hüten“ und „Beute jagen“ haben mehr miteinander

 

gemeinsam, als mancher Hundehalter ahnt. Orten-Anschleichen-fixieren-treiben-einkreisen…..oder

 

zutreiben….nur das letzte Glied dieser Kette, das Töten, wurde mehr oder weniger erfolgreich weg

 

selektiert. Allerdings hat die Natur ihre eigenen Regeln und so gibt es auch heute noch einige

 

Herdengebrauchshunde, die für die Herdenarbeit ungeeignet sind, weil sie den falschen Griff (zB Kehle

 

statt Genick) haben, zu grob sind, Lämmer tot schütteln statt nur leicht anzustupsen, in die Herde

 

„stechen“, statt die Grenzen zu wehren oder die Schafe zu jagen beginnen, anstatt sie leicht zu treiben.

 

Gerade bei Hunden, die an Wanderherden arbeiten, ist es auch nach jahrhundertelanger Selektion

 

nicht immer einfach, gute Arbeitshunde zu finden. Nicht umsonst gehören Schäferhunde und

 

schäferhundartige Hunde zu den Hundetypen, die Jäger am meisten fürchten.

 

 

Bei den Koppelgebrauchshunden, deren Ursprung in Großbritannien zu finden ist, war eine gewisse

 

Schärfe unnötig und unerwünscht, da die Wölfe schon seit Jahrhunderten auf den Britischen Inseln

 

ausgerottet waren. Hier wurden die Hunde darauf selektiert, auf kleinste Pfiffe, Gesten und Fingerzeige

 

des Schäfers zu reagieren. Damit ging jedoch eine große Sensibilität und Reizempfänglichkeit einher,

 

die dazu führt, dass Hunde dieser Rasse(n) eine ruhige Umgebung brauchen, da sie zum Überdrehen

 

neigen und von vielen Reizen förmlich überflutet und überfordert werden. Dennoch gibt es auch hier

 

Hunde, die Schafe eher jagen würden als gut und schonend zu treiben und zu hüten und wenn manche

 

Menschen behaupten, Border Collies würden keinen Jagdtrieb haben, so ist und bleibt das ein

 

Märchen und entspricht nicht den Tatsachen.

 

 

Treibhunde

 

 

Treibhunde mussten, um ihre Arbeit gut zu machen, mehrere Eigenschaften haben: sie mussten, um

 

die Nutztiere zu beeindrucken, eine gute und laute Stimme haben und gewillt sein, diese auch

 

einzusetzen und sie durften sich nicht scheuen, von ihren Zähnen Gebrauch zu machen. Zudem

 

mussten sie einerseits dem leisesten Fingerzeig des Treibers/Hirten Folge leisten, andererseits aber

 

auch fähig sein, eigene Entscheidungen zu treffen und diese auch auszuführen. Dies, zusammen mit

 

einem großen Bewegungsbedürfnis, zeichnet auch heute noch die meisten Treibhunderassen aus. Die

 

meisten von ihnen können durchaus als verbal äußerst kommunikativ angesehen werden und ihre

 

Reizempfindlichkeit in Kombination mit einem großen Bewegungsbedürfnis ist der Selektion auf ihr

 

früheres Betätigungsfeld geschuldet.

 

 

 

Haltung früher-Haltung heute

 

 

Obwohl sich die Nutztierzucht im Laufe der letzten Jahrhunderte und Jahrzehnte gewandelt hat, gibt

 

es noch immer Hunde, die ihrem ursprünglichen Job nachgehen und deren Alltag sich nicht sehr von

 

dem ihrer Vorfahren unterscheidet.

 

 

Zwar sind in Deutschland die großen Rinder- und Schweineherden verschwunden, die von Hunden

 

und Treibern in die Schlachthäuser oder auf die „Viehmärkte“ zum Verkauf getrieben wurden und

 

auch auf den Britischen Inseln oder Andernorts übernehmen oft Lastwagen den Transport, so dass die

 

Treibhunde bei uns ihr Betätigungsfeld verloren haben, für das sie ursprünglich gezüchtet wurden.

 

 

Aber es gibt noch immer Wanderschafherden – auch wenn sie durch Bestimmungen, Bürokratie und

 

andere Dinge inzwischen sehr selten geworden sind – und noch immer gibt es Koppelherden, und

 

damit auch Herdengebrauchshunde und Koppelgebrauchshunde.

 

 

 

Der Herdengebrauchshund

 

 

 

Seine Lehrzeit beginnt der Herdengebrauchshund - je nach Schäfer und Tradition in diesem Gebiet –

 

im Alter zwischen einem halben und einem Jahr. Lehrzeit bedeutet allerdings noch keine gezielte

 

Ausbildung, denn die ersten Wochen und Monate wird der Jungspund zwar ab und zu zur Herde

 

mitgenommen, wird aber noch nicht eingesetzt. Während die Althunde ihre Arbeit tun, begleitet er den

 

Schäfer an der Leine bei der Arbeit, lernt so die tägliche Routine kennen und lernt vor allem eins: Ruhe

 

halten, zuschauen und auch Frust auszuhalten, denn obwohl es den Einen oder Anderen schon zu den

 

Tieren treibt, wird er noch nicht losgelassen. Abends kommt er – je nach Schäferei – in seinen

 

Zwinger, an seine Kette oder wo immer er sein Nachtlager hat und wird erst ein, zwei Tage später

 

wieder mit zur Herde genommen, damit er genug Zeit hat, das Gesehene zu verarbeiten und sich zu

 

regenerieren und zu entspannen.

 

 

Nach mehreren Wochen und Monaten darf der vierbeinige Lehrling bei seinen ersten kurzen

 

Arbeitseinsätze zeigen, was genetisch in ihm steckt. Manche Hunde zeigen von sich aus das Wehren

 

in der Furche, anderen Hunden muss der Schäfer es erst beibringen, indem er mit dem Hund an der

 

Leine immer wieder die Furchen abläuft, hin und her, jeden Tag. Zeigt der Hund dann ein erstes

 

Wehren, wird dies mit einem Wort, meist „Furche“ belegt. Diese ersten Sequenzen sind jedoch nur kurz

 

und ausschließlich auf der „Mannseite“, d.h. auf der Seite, an der auch der Schäfer steht und geht. Das

 

Ablaufen der sogenannten Querfurche lernt der Hund erst später und das selbstständige Wehren der

 

„Halben“, also der dem Schäfer entgegengesetzten Seite erst sehr viel später. Man sagt, dass ein guter

 

Hund so viele Jahre ausgebildet wird, wie er Pfoten hat, was bedeutet, dass man erst bei einem etwa

 

fünfjährigen Hund von einem vollwertigen Arbeitshund sprechen kann, der mehrere Menschen

 

ersetzen kann.

 

 

Mit steigendem Alter, körperlicher und emotionaler Reife und Ausbildungsstand steigt auch die

 

Arbeitsbelastung eines Hundes. Diese ist zu Zeiten des Herdenzuges besonders hoch. Frühmorgens

 

wird der Hund bei ersten Kontrollgang des Schäfers mitgenommen. Hier kontrolliert der Schäfer das

 

Befinden der Herde und schaut nach neugeborenen Lämmern. Nach einem kurzen Frühstück folgt nun

 

der Austrieb der Herde und der Herdenzug. Da Schafe Wiederkäuer sind, muss sich die Herde

 

mindestens zweimal – von einer Verdauungspause unterbrochen – satt fressen. Während dieser

 

ganzen Zeit ist voller Einsatz und hohe Konzentration von Hunden und Schäfer gefordert. Läuft die

 

Herde 15 Kilometer, legen die Hunde diese Strecke mehrfach zurück, da sie immer in der Furche

 

pendeln und von der Spitze bis zum Ende die Herde ablaufen, immer hin und her.

 

 

Hat der Schäfer genug Hunde, besteht für ihn die Möglichkeit, während der Verdauungspause der

 

Schafe die arbeitenden Hunde zuhause gegen ein „frisches Paar“ auszutauschen, so dass der einzelne

 

Hund etwas Erholung bekommen kann. Hat der Schäfer aber nur einen, zwei oder drei Hunde, besteht

 

diese Möglichkeit nicht und die einzige Erholungsphase ist für den Hund die Zeit, während der die

 

Schafe verdauen.

 

 

Dies ist auch der Grund, warum ein Schäfer in der Regel mehrere Hunde hält: meist sind dies ein oder

 

zwei fertig ausgebildete Tiere, einen „Lehrling“ und ein oder zwei ältere Hunde, die sehr erfahren, aber

 

nicht mehr so belastbar sind.

 

 

Oft dauert der Arbeitstag eines Hundes bis spät abends, wenn die Schafe eingepfercht werden –

 

heutzutage meist in ein Elektronetz. Manchmal nimmt der Schäfer – falls er zuhause genügend Hunde

 

hat – am nächsten Tag zwei oder drei andere Hunde mit und die eingesetzten Arbeiter haben einen

 

Tag Ruhepause. Oft hat der Schäfer diese Möglichkeit jedoch nicht und Hund und Schäfer teilen sich

 

auch am darauffolgenden Tag den harten Arbeitsalltag, der mit „Schäferromantik“ wirklich wenig

 

gemein hat. Schafe hüten ist harte Arbeit, die die Hunde sehr ernst nehmen.

 

 

Dies sollte man bedenken, wenn man einem Herdengebrauchshund oder auch einen

 

Herdenschutzhund in seinem ursprünglichen Umfeld, zB während eines Urlaubs, einem Spaziergang

 

oder einer Wanderung, begegnet. Ein wirklicher Tierfreund nimmt seinen eigenen Hund an die Leine

 

und läuft langsam und in möglichst großem Abstand an der Schafherde vorbei, um diese einerseits

 

nicht zu beunruhigen und andererseits dem dazu gehörigen Hund zu zeigen, dass weder man selbst

 

noch sein Hund den Tieren etwas Böses möchte. Nicht nur Herdenschutzhunde sondern auch

 

Herdengebrauchshunde werden ihre Herde normalerweise verteidigen, und es wäre weder fair noch

 

klug, es darauf ankommen zu lassen, zumal trächtige Schafe, die erschrecken oder gehetzt werden, oft

 

ihre ungeborenen Lämmer verlieren.

 

 

 

Der Koppelgebrauchshund

 

 

 

Auch beim Koppelgebrauchshund beginnt die Ausbildung oft im Alter zwischen einem halben und

 

einem Jahr. Anders als beim Herdengebrauchshund wird der vierbeinige Lehrling meist nur für kurze

 

Übungssequenzen gezielt an einer kleinen Gruppe Schafe trainiert. Auch wenn der spätere

 

Einsatzbereich „Großvieh“, d.h. Rinder sein sollte, sollte der junge Hund zuerst an Schafen ausgebildet

 

werden, da hier die Ausbildung genauer und feiner erfolgen kann. Rinder sind sehr wehrhafte Tiere,

 

und es könnte bei einem jungen, ungeschickten Hund passieren, dass dieser angegriffen und verletzt

 

wird und so seine Motivation verliert. Auch einen Hund mit sehr guten Anlagen kann bei falscher oder

 

zu harter Ausbildung oder aber bei groben Fehlern in der Ausbildung derart verunsichert werden, dass

 

er als zukünftiger Arbeitshund unbrauchbar sein wird. Der junge Hund lernt an den Schafen zuerst die

 

wichtigsten Kommandos, wie das Laufen gegen den Uhrzeigersinn, das Laufen im Uhrzeigersinn, das

 

Nachtreiben, das Stoppen und das Einholen der Herde, den „Outrun“ sowie das „Halten“ der Herde oder

 

eines Schafes. Später, sehr viel später lernt er auch das Separieren und das Arbeiten eines Teils der

 

Herde sowie das Sammeln einzelner Tiere aus unübersichtlichem Gelände zu einer einzigen großen

 

Herde. Manchmal lernt er auch die Pfercharbeit sowie das „Back up“, das heißt das Laufen über den

 

Rücken der Schafe, um diese im engen Pferch vorwärts zu bewegen.

 

 

Auch beim Koppelgebrauchshund gilt wie schon beim Herdengebrauchshund: die Ausbildung dauert

 

in etwa so lange, wie der Hund Beine hat – für jedes Bein ein Jahr. Zwar ist der Hund auch vorher

 

schon einsatzfähig, fertig ausgebildet jedoch ersetzt ein Arbeitshund mehrere Menschen in einer

 

Schäferei und das dauert seine Zeit. Es gibt ein weiteres Sprichwort, dass dies verdeutlicht:

 

 

Junger Hund: 1-4 Jahre,

 

guter Hund: 4-8 Jahre,

 

alter Hund: ab acht Jahre.“

 

 

Während Herdengebrauchshunde die Langstreckentraber unter den Hütehunden sind, ist die Arbeit in

 

einer Koppelschäferei für einen Hund nicht minder anstrengend: Herdentiere zu kontrollieren ist

 

physische und psychische Schwerstarbeit, und je weniger Tiere eine Herde aufweist, desto schwerer

 

ist es, sie zu kontrollieren. Baut ein Hund an einer Herde mit 1000 Schafen Druck auf, werden sie am

 

Druckpunkt zurückweichen. Baut ein Hund bei 20 Schafen denselben Druck auf, rennen die Schafe

 

davon. Ein Koppelgebrauchshund muss deshalb seinen Druck wesentlich feiner dosieren als ein

 

Herdengebrauchshund. Es ist eine Arbeit, bei der der Hund sehr vorsichtig vorgehen und auch sehr

 

feinjustiert eingesetzt werden muss. Dass diese Anstrengung einerseits sehr feinnervige Hunde

 

benötigt, andererseits aber auch Stress für die Hunde bedeutet, ist, denke ich, einleuchtend. Seit

 

Jahrhunderten werden deshalb viele Koppelgebrauchshunde zwischen den Arbeitseinsätzen in

 

möglichst ruhigen Ecken ihrer Heimatfarm untergebracht, die sehr abgelegen und reizarm sind, damit

 

die Hunde die Möglichkeit haben, abzuschalten und zu entspannen. Würden sie auch in ihrer

 

„Freizeit“ ständig Nutztiere sehen, wären sie ständig unter Hochspannung.

 

 

 

Der Hütehund in der „Moderne“

 

 

 

Lässt man das vorherige Kapitel Revue passieren, wird schnell auch dem Anfänger in der

 

Hundehaltung klar, dass Hütehunde sehr anspruchsvolle Hunde sind, die nicht die

 

„familienfreundlichen Anfängerhunde“ sind, als die sie oft angepriesen werden. Sie wurden durch

 

unsere Vorfahren nach deren Anforderungen gezüchtet und durch ihren früheren Einsatz geformt. Der

 

bellfreudige Australian Shepherd, der in einer Mietwohnung in der Stadt bei einem berufstätigen

 

Pärchen lebt, lebt gegen seine Natur und seine Instinkte, genauso, wie der Harzer Fuchs, der Strobel,

 

der Westerwälder Kuhhund oder der feinnervige Border Collie, der beim Hundesport gepusht wird und

 

hier einem Stresslevel ausgesetzt wird, das ihm schadet. Die meisten Hunde dieser Rassen sind so

 

feinnervlich und sensibel, dass man ihnen keinen Gefallen damit tut, sie körperlich auszulasten,

 

ihnen aber zu wenig Entspannungsmöglichkeiten bietet. Bei einigen Hunden kommt es im Laufe der

 

Zeit zu stressbedingten körperlichen Krankheiten, bei anderen zu einem „melt-down“, bei dem ihnen

 

buchstäblich die „Sicherungen durchbrennen“ und sie sich oder andere schädigen – sei es durch

 

Autos jagen oder beißen. Passiert dies, ist es leider heute noch oft so, dass versucht wird, durch falsche

 

und zu harte Erziehungsmaßnahmen dem Hund diese Dinge „abzugewöhnen“, was zum Scheitern

 

verurteilt ist, da hier völlig falsch angesetzt und oft zu hart reagiert wird. Hütehunde sind keine

 

einfachen Hunde und auch, wenn sie oft auf den Hundeplätzen anzutreffen sind, ist weniger oftmals

 

mehr, denn nicht umsonst werden sie oft als „Autisten unter den Hunden“ bezeichnet. Durch ihre

 

Geschichte und ihre ursprüngliche Verwendung sehr reizempfindlich und empfindsam, brauchen sie

 

Besitzer, die gewillt sind, sich mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen und sich nicht durch ihr

 

attraktives Äußeres oder ihre schnelle Auffassungsgabe blenden lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

Besucher Heute Besucher Gestern Besucher Gesamt Besucher Online
Besucher Heute Besucher Gestern Besucher Gesamt Besucher Online