Mehrhundehaushalt oder schon Hoarding?


Liest oder hört man von Mehrhundehaltung, fällt einem auch gleich der Begriff "Animal Hoarding" ein. Beide Dinge sind jedoch keinesfalls gleich zu setzen.

 

Mehrhundehaltung beginnt schon ab dem zweiten Hund,  aber  nicht Jeder mit mehreren Hunden ist gleichzeitig  ein Hoarder.


In der einschlägigen Literatur wird vom " krankhaften Sammeln" mehrerer Tiere - seien es Hunde, Katzen, Kleintiere oder Großtiere - gesprochen, wenn folgende Kriterien gegeben sind:

 

a)     Es werden mehr Tiere gehalten, als es in Deutschland im Durchschnitt üblich ist,

 

b)    auf dem vorhandenen Gelände leben zu viele Tiere,

 

c)    der Halter zeigt keine Einsicht, dass der  Tierbestand reduziert werden muss, vergrößert ihn im Gegenteil noch,

 

d)    der Halter kümmert sich nicht um die Versorgung der Tiere zB nötige tierärztliche Behandlungen,

 

e)    die Tiere werden weder nach Geschlechtern getrennt noch kastriert und vermehren sich wahllos, so dass  den Haltern irgendwann die Übersicht verloren geht.

 

Eine 2009 vorgelegte Studie beschreibt, dass das Sammeln von Haushunden an zweiter Stelle nach dem Sammeln von Hauskatzen stand.

 

Die durchschnittliche Bestandsgröße betrug 39 Tiere, wobei das Minumum 16 Hunde,  das Maximum 334 Hunde betrug.

 

Dieses Thema ist sehr komplex, da es sowohl die Tiere als auch- und das wird oft leider vergessen - den/die Menschen geht. Tierschützer sprechen hier von Tierquälerei, Psychologen von einer krankhaften Störung. Es leiden oft alle Beteiligten - die Tiere, aber auch der Tierbesitzer, die Helfer, die Mitarbeiter von Behörden und Tierheimen usw wenn plötzlich viele Tiere aufgenommen werden müssen usw.

 

Deshalb werde ich über  "Animal Hoarding" einen separaten Artikel schreiben und versuchen, mich mit den Gründen, den verschiedenen Formen, aber auch der Möglichkeit, sinnvolle und nachhaltige Hilfe zu bieten,  auseinandersetzen.


Weniger ist manchmal mehr


Das trifft auf den Stress in unserer schnellebigen Zeit genauso zu wie auf die Anzahl unserer Freundschaften (das reale Leben findet nicht auf facebook statt) oder auch die Anzahl unserer Hunde.

Qualität statt Quantität. Tiefe statt Oberflächlichkeit.

So wenig wie Ottonormalverbraucher 100 Facebookfreunde braucht, so wenig braucht er ein Dutzend Hunde, auch und sogar wenn er diese aus beruflichen Gründen halten sollte.


Was aber tun, wenn sich die Probleme bei einer Mehrhundehaltung erst im Laufe der Zeit entwickeln?

Was, wenn sich die Lebensumstände des Halters ändern, die Familienstruktur, der Gesundheitszustand, und es dadurch schwierig bis unmöglich wird, allen Hunden im Haushalt gerecht zu werden?


Hier kann sensible Hilfe von Außenstehenden nötig sein, sei es von der Familie, Freunden, Kollegen oder Bekannten. Oft ist der betroffene Hundehalter momentan mit der Situation derart überfordert, dass er selbst "kein Land" mehr sieht und er behutsame Unterstützung braucht.


Die Situation muss analysiert werden, denn es ist beispielsweise ein Unterschied, ob die Ursache der Probleme  Unstimmigkeiten innerhalb der Hundegruppe,  der zeitlichen Überlastung des Hundehalters,  einer Krankheit desselben oder  einer Kombination verschiedener Aspekte geschuldet ist.


Nach der Analyse muss gemeinsam mit dem Hundehalter an einer Lösung gearbeitet werden. Diese kann von der Suche nach einem/r HundetrainerIN oder TherapeutIN bei Problemen innerhalb der Gruppe bis zu einer temporären Betreuung eines oder mehrerer Hunde bei Krankheit oder Zeitmangel des Besitzers reichen.


Manchmal, besonders, wenn ersichtlich wird, dass einer der Hunde sich innerhalb der Gruppe nicht wirklich wohl fühlt oder der Besitzer ihm nicht (mehr) gerecht werden kann, beispielsweise durch Krankheit, sollte auch eine Abgabe in andere, passendere Hände erwogen und nicht als Tabu betrachtet werden.


Dazu gehört auch, dass die betreffenden Personen nicht auch noch der Häme, den Anfeindungen, der Verachtung und dem Spott anderer Hundebesitzer ausgesetzt sein sollten - auf Unverständnis werden sie oft genug stoßen. Man sollte bedenken, dass einem solchen Schritt meist viele schlaflose Nächte und marternder Selbstzweifel vorausgegangen sind. Es handelt sich in diesen Fällen, um das noch einmal zu betonen, nicht um Einhundebesitzer, die sich keine Mühe geben, ihren Hund kurzerhand abgeben, um sich gleich darauf einen neuen, "pflegeleichteren" ins Haus zu holen. Ich spreche von Personen, die die Umstände zum Wohl des geliebten Tieres zu einem solchen Schritt zwingen und vorher alles Erdenkliche ausgelotet und getan haben, um diesen Schritt nicht gehen zu müssen.

Keine Frage der Mathematik


Aber wo ist denn nun das Optimum? Ab welcher Zahl könnte man sagen: "Einer geht noch" und ab welcher Zahl ist jeder weitere Hund" einer zuviel"?


Das lässt sich meiner Meinung nach genauso wenig an einer mathematischen Ziffer festmachen, wie die Frage, ab wann Hundehaltung zum Hoarding kippt oder ab wann Eltern mehrerer Kinder nicht mehr allen die gleiche Aufmerksamkeit schenken können, ohne dass eines davon zurückstehen muss.


Ein berufstätiges, umtriebiges Ehepaar mit Kindern mag mit einem Hund das Optimum gefunden haben. Ein anderes Paar, zwar ohne Kinder aber in Schichtarbeit tätig und anderweitig ausgelastet, könnte beispielsweise mit einem Zweithund an ihrer persönlichen Belastungsgrenze angekommen sein. Eine alleinstehende Person hat wieder ganz andere Voraussetzungen, je nach Beruf, Wohnsituation usw.

 

Alles hängt von vielen verschiedenen Faktoren wie der vorhandenen Zeit, dem vorhandenen Platz, dem zur Verfügung stehenden Einkommen, dem sozialen Umfeld ( wer versorgt die Hunde bei Krankheit des Halters? )und natürlich auch vom vierbeinigen Mitbewohner selbst ab. Ist er verträglich und liebt andere Hunde oder eher ein Eigenbrödler? Ist er krank und benötigt Ruhe oder fit und agil? Ist er in einem Alter, in dem die Erziehung den Halter stark fordert oder sogar an seine Grenzen bringt oder erfolgt das Leben mit ihm in ruhigem Fahrwasser?

 

Einen zweiten Hund dazu zu holen, macht den Ersthund nicht unbedingt ausgeglichener, sondern kann statt der erhofften Entlastung eine ernstzunehmende Belastung darstellen, wenn beispielsweise beide plötzlich zusammen im Wald verschwinden, weil einer von beiden ein passionierter Jäger ist. Jeder weitere Hund,der dazu kommt, kann derartige Probleme potenzieren.


Mehrhundehaltung kann bereichernd sein. Sie kann aber auch ins Gegenteil kippen.

 

Mehr dazu in einem folgenden Artikel.

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