Wie in einem früheren Artikel angekündigt, fasse ich hier noch einmal das Wesentliche zusammen, was helfen kann, wenn es bei derHaltung mehrerer Hunde zu Problemen kommt. Die Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und werden noch ergänzt, geben aber einen groben Überblick.

 

Desweiteren finden sich hier einige Gedanken, falls es einmal zur Abgabe eines Hundes kommen muss.

 

 

Checklisten bei der Haltung mehrerer Hunde



Mögliche Anzeichen, dass etwas geändert werden sollte:

 

1.    Stressanzeichen bei einem oder mehreren Hunden in Verhalten, Mimik, Körperhaltung, Hund kommt nicht  zur Ruhe


2.    Organische Veränderungen (zB stumpferes Fell, Schuppen, Eigengeruch des Hundes ändert sich)


3.    Medizinische Auffälligkeiten zB Gewichtsabnahme, Durchfälle, Erbrechen


4.    Mobbing eines Hundes


5.    Rivalitäten um Ressourcen


6.    Körperliche Auseinandersetzungen zB Rempeleien, Beissereien

 

Mögliche Managementmaßnahmen:


1.    Hunde beim Füttern und Spielen nie unbeaufsichtigt lassen.


2.    Futter und Spielzeug nie zur freien Verfügung rumliegen lassen.


3.    Beim Füttern trennen zB verschiedene Zimmer, in Boxen füttern.


4.    Genügend geschützte Rückzugsmöglichkeiten anbieten zB  Körbchen UND Stoffboxen zur freien Auswahl.


5.   Genügend Ruhezonen anbieten. Ein dementer Hund, der nachts "umherwandert", stört die anderen, die aggressiv   reagieren     können. Eine räumliche Trennung kann helfen.


6.     Engstellen entschärfen, dh wenn es nur eine Türe nach draußen gibt, muss gewährleistet sein, dass nicht ein Hund einem anderen  den Weg verstellt.


7.    Keine Mobber oder Mobbingopfer alleine in einer Gruppe lassen. Lieber die Gruppen trennen. Achtung- Mobbing geschieht oft  versteckt in Abwesenheit des Besitzers und kann schlimme Folgen  haben, sogar zum Tod führen!


8.    Keine neuen Hunde, Welpen, alten, senilen Hunde, kranken Hunde oder unsichere Hunde alleine in der Gruppe lassen.

 

9.     Jeder Hund braucht genügend Platz, auch genügend Platz, um den anderen ausuweichen oder sich zurückziehen zu können.

Wenn alles nichts hilft, sollte an eine Abgabe eines Hundes kein Tabu sein.

 

 

Hier können folgende Überlegungen helfen:


1.    Mobbt ein Hund die anderen, wäre es gut, ihm ein neues Heim zu  suchen.


2.    Ist einer dagegen ständig das Mobbingopfer aller anderen, wäre er bei einem anderen Besitzer vielleicht glücklicher.


3.    Meist behält man die ältesten Hunde und gibt einen jüngeren bzw den jüngsten ab, wenn eine Abgabe sein muss.


4.    Hat man einen Hund,dessen Charakter schwierig ist und einen, der unproblematisch ist, ist es einfacher, für den unproblematischen  Hund ein passendes neues Heimzu finden.


5.    Oberste Priorität muss sein: was ist das  Beste für den Hund?

 


Ein Hund muss abgegeben werden-was nun?

Zuerst einmal: ruhig Blut. Greifen die Managementmaßnahmen nicht oder gibt es einen anderen Grund für die Abgabe eines Hundes zB Krankheit des Besitzers, sollte dennoch nichts übers Knie gebrochen werden. Gut Ding muss Weile haben - schließlich geht es hier um ein lebendiges, fühlendes Lebewesen und nicht um ein Fahrrad.


Wenn es irgendwie möglich ist, sollte euer Hund bis zur endgültigen Abgabe bei euch leben können.


Ist es sehr dringend zB wegen eines Krankenhausbesuchs können Pflegestellen oder gut geführte Hundepensionen oder Hundesitter einen gewissen Zeitpuffer schaffen und so Raum geben, die nächsten Schritte in Ruhe zu planen.

 

Die Abgabe in ein Tierheim sollte wirklich nur der allerletzte Schritt sein und die Ausnahme darstellen. Die meisten Tierheime sind überfüllt, es ist laut, und sogar robuste Hundenaturen, die aus einem Mehrhundehaushalt kommen, dürften die erste Zeit sehr verstört sein, wenn sie dort abgegeben werden. Auch wenn ihr in die Situation kommt, einen Hund abgeben zu müssen, wie ich es schon tun müsste- erspart eurem Hund wenn irgendwie möglich das Tierheim! Das tut ihm nicht gut, tut seiner Seele nicht gut! Tierheime sind Stress pur für die Hunde. Auch wenn es moderne und gut geführte Tierheime gibt, sind die meisten doch nicht viel mehr als Aufbewahrungsanstalten, marode und in die Jahre gekommen. Es fehlt an Platz, an Geld, an Personal.  Oft leistet das Personal schier Unglaubliches, doch mehr wie ein Dach über dem Kopf, Futter und einmal am Tag etwas Auslauf können die wenigsten Tierheime bieten.

Bei der Suche nach einer Endstelle ist der Weg von Privat an Privat meiner Meinung nach der beste. Es ist euer Hund, ihr seid in der Pflicht.

 

Zuerst müsst ihr natürlich bekannt machen, dass ihr für euren Hund ein neues Zuhause sucht. Fragt bei Bekannten, Freunden und in der Familie. Hängt Zettel auf - bei Tierärzten, in Tierheimen, in Futtermittelläden. Nutzt das Internet- Facebook, Hundeforen, Rasseforen, Onlineportale, ruhig auch Kleinanzeigen. Setzt eine Annonce in die Zeitung. Macht es publik - in Gassigruppen, Hundeschulen, bei Hundetrainern und Vereinen. Je mehr Menschen davon erfahren, desto größer ist die Chance, ein gutes, passendes Zuhause zu finden. Mit Glück hat man mehrere Interessenten, unter denen man dann wählen kann. Und habt keine Scheu, es wirklich bekannt zu machen - ihr entscheidet euch für diesen Schrit, weil es zum Besten für euren Hund ist.


Auch ich hatte besonders bei der Abgabe von Gauri große Bedenken, bei Meg noch mehr. Zu dieser Zeit war ich noch Mitglied in einem Hundeverein und die dortige Ausbildungswartin sagte offen und ganz deutlich, dass sie niemanden als Trainer dulden würde, der einen Hund abgibt. Nun - zu dieser Zeit war ich dort Trainerassistentin.

 

Da bin ich anderer Meinung und schreibe das auch ganz deutlich: wer einen Hund oder mehrere abgibt, und das zum Wohl des Tieres tut - sei es, dass es Reibereien zwischen den Hunden zuhause gibt, sei es wegen Krankheit des Besitzers, sei es, weil sich die Lebenssituation so geändert hat, dass das Tier sehr stark zurückstecken müsste, sei es, dass der jetzige Besitzer dem Tier nicht mehr gerecht werden könnte - hat mein vollstes Verständnis. Das sage ich nicht nur, weil ich selbst schon in dieser Situation war, sondern weil sich ein solcher Besitzer seiner Verantwortung bewusst ist und nicht einfach seinem Egoismus frönt ("ach ich hänge so an ihm..." , "ach dann bin ich so alleine..."). Verantwortung zeigen bedeutet auch loslassen können!  Wer das nicht verstehen kann, war entweder noch nie in dieser Situation oder hat möglicherweise ein Weltbild, bei dem nicht das Wohl eines anvertrauten Lebewesens, sondern das eigene im Mittelpunkt steht.

Jetzt habt ihr also passende Kandidaten für euren Hund gefunden.

Was nun?

Meiner Meinung und meiner Erfahrung nach hat es sich bewährt, sich zuerst "zu beschnuppern".  Jeder geht hier einen anderen Weg, jeder macht es ein wenig anders.

 

Ich schreibe an dieser Stelle auf, wie ich es selbst gemacht habe. Zuerst machte ich mir ein Bild von den verschiedenen Kandidaten und ihrem Zuhause - ohne Hund. War mein erster Eindruck positiv, lud ich sie zu mir nach Hause ein.Dort konnten sie sich ein erstes Bild des Hundes machen. Danach gingen wir mit dem Hund spazieren. Es folgten inregelmäßigen Abständen einige Spaziergänge, zuerst mit mir, dann ohne mich. Blieb das Interesse auf beidenSeiten bestehen, besuchte ich die Familie mit meinem Hund, dort gingen wir alle Gassi und ich blieb auch zum Kaffee, doch nahm ich meinen Hund  die ersten Male wieder mit. Der Übergang sollte möglichst sanft geschehen. War bis dato alles in Ordnung, folgte eine Probezeit. Die Übergabe selbst erfolgte nur mit juristisch abgesichertem Vertrag. Das ist kein üblicher Schutzvertrag, denn die sind juristisch nicht wasserdicht und vor Gericht erfolgreich anfechtbar! Es ist ein Vertrag, der den neuen Besitzer nicht gleichzeitig zum Eigentümer macht. Rechtlich bleibt es mein Hund, auch wenn er nicht mehr bei mir wohnt und lebt. Doch nur so könnte ich im Falle eines Falles eingreifen und den Hund wieder zu mir nehmen. Im Falle einer Abgabe rate ich deshalb dringend, einen Anwalt um Rat zufragen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Mit den Familien bin ich in engem Kontakt. Sollte es Probleme geben, bin ich selbstverständlich zur Stelle. Natürlich mache ich auch in unregelmäßigen Abständen Besuche, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Und wenn es einmal nötig sein sollte, nehme ich "unseren" Hund sofort wieder zurück.

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