Mehrhundehaltung auf dem Prüfstand

 

Der Trend zur "Mehrhundehaltung" in Deutschland ist unverkennbar.

 

Welche Vorteile hat das Leben mit mehreren Hunden?

Was sind die Nachteile?

Auf was sollte man achten, wenn man sein Leben mit mehreren Hunden teilt? Ab wann kann man überhaupt von einer "geglückten Mehrhundehaltung" sprechen?


Wer mehrere Hunde hält, wird im Leben mit diesen oft an seine Grenzen stoßen. Tipps und Tricks, die bei der Haltung eines Hundes helfen, funktionieren plötzlich nicht mehr. Oft entwickelt sich eine ganz eigene Gruppendynamik und der Hundebesitzer weiß zwar, dass es so nicht geht, probiert  verschiedene Dinge aus, merkt aber bald, dass diese nicht helfen.

 

Mein Artikel ist ein Versuch, dieses Thema nicht nur aus den verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, sondern er versucht auch,  Probleme, die auftreten können, genauer unter die Lupe zu nehmen und den Haltern Hilfestellung zu geben.


"Warum tun Sie sich das an-Sie könnten es so schön haben!", wurde ich schon oft von Nichthundehaltern gefragt.


Es folgten eine Aufzählung von Dingen, die ich "ungebunden" und ohne Hund(e) machen oder lassen könnte. Natürlich sind Gründe, die gegen eine Hundehaltung sprechen, schnell gefunden.


Hunde machen Dreck, sie verursachen Kosten und das Zeitkonto eines Hundehalter sinkt oft ins Defizitäre. Die Tierarztkosten können bei Krankheiten die Höhe eines oder mehrerer Monatsgehälter erreichen, die Wohnungseinrichtung wird weniger nach Stilrichtung und Geschmack, sondern nach Hundekompartibilität ausgewählt und auch das Auto ist oft eine Nummer zu groß - Hauptsache, der Hund/die Hunde haben es komfortabel. Auch die Kleidung eines Hundehalters ist eher praktisch-sachlich denn chic und up-to-date, und muss durch die häufige Reinigung mehr strapazierfähig denn edel sein, will man den hartnäckigen, strengen Geruch eines gewissen "Eau de Wuffwuff" vermeiden.


Auf der anderen Seite gibt es mehr als genug Gründe, die dafür sprechen, das Leben mit einem oder mehreren HundEN  zu teilen.


Hunde sind, wie man sagt, "ein Herz auf vier Pfoten". Sie verschenken ihre Liebe und ihre Zuneigung unabhängig davon, welchen Status, welches Geschlecht, welches Alter oder welchen Gesundheitszustand man hat. Sie sind nicht nachtragend und verzeihen Fehler.  Sie leben im Hier und Jetzt und machen sich keine Sorgen über Zukünftiges. Stattdessen machen sie das beste aus jeder Situation. Hunde bringen einen oft zum Lachen und zwingen den Halter durch ihr Vertrauen, diesem gerecht zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Erwiesenermaßen senken Hunde unseren Cortisolspiegel über das als Bindungshormon und Neurotransmitter wirkende  Oxytocin, das ein wichtiger Gegenspieler der Stresshormone ist.


Dass sich die genannten Gründe nicht einfach pauschal eins zu eins bei einer Mehrhundehaltung addieren lassen können, frei nach dem Motto: ein Hund - viel Freude, viele Hunde - ganz viel Freude, sondern dass  eine erfolgreiche, positive, erfüllende Mehrhundehaltung von sehr vielen Faktoren abhängt, auch viele Schattenseiten haben kann und manchmal weniger mehr sein kann, davon handeln folgende Gedanken..

Money, money, money...


Dass Hunde Geld kosten, bestreitet sicherlich niemand. Davon dürften die Anschaffungskosten noch der geringste Posten sein. Ausstattung wie Geschirr und Leine oder Näpfe, Hundefutter, Decken usw, aber auch Versicherung, Hundesteuer und Tierarztkosten lassen die Finanzen schnell dahinschmelzen.


Sind es mehrere Hunde, steigen die Kosten schnell ins exponentielle, was vielen Hundehaltern so nicht bewusst ist. Als Beispiel sei hier die Hundesteuer genannt. Der Zweithund kostet meist das Doppelte vom Ersthund, der Dritthund ebenso usw.


Gehört der Hundegruppe gar ein kränkelnder Senior oder ein pubertierender, unfallträchtiger Haudegen an, der gerne mal über die Stränge schlägt, kann das Konto des Halters schneller als gedacht vom Haben ins Soll rutschen.

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde


Gerne unterschätzt wird auch die benötigte  Zeit. Der Gedanke, sich einen Zweit- oder Dritthund ins Haus zu holen, damit der Ersthund oder das Hundepaar einen Partner hat/haben, mit dem sie spielen und sich so auspowern können, geht in den seltensten Fällen auf.


Jeder Hund hat als Individuum ganz unterschiedliche Bedürfnisse.


Jeder einzelne Hund hat aber auch ein Recht darauf, seinen Anteil an Aufmerksamkeit, Pflege und notwendiger Beschäftigung zu bekommen.


Hat man mehrere Hunde im selben Alter, kann das besonders bei jugendlichen und jungen erwachsenen Hunden sehr schnell zu einem streng terminierten Beschäftigungsmarathon für den Halter ausarten.


Doch auch die älteren oder alten Hunde benötigen und haben ein Anrecht auf die Zuwendung und Zeit ihres Besitzers. Nur, weil ein Senior keine stundenlangen Spaziergänge mehr leisten kann oder haben möchte, bedeutet das nicht, dass er nicht auch die Nähe und die Kuscheleinheiten mit seinem Besitzer genießt und auch braucht.

 

Dafür gibt es kein Rezept - jeder Hund ist  anders und für jeden Hund gilt hier ein anderer Zeitaufwand.

Das fünfte Rad am Wagen


Nicht jedes Hundegespann bzw nicht  jede Hundegruppe ist kompatibel. Sogar unter der Prämisse, dass der Neuzugang sehr genau ausgesucht wurde oder es in der Gruppe "zu klappen" scheint, ist die scheinbare Idylle oft eher Burgfrieden als eitel Sonnenschein oder sogar die Ruhe vor dem Sturm.


Manchmal sind es Dinge, die der Halter durch geschicktes Management verhindern kann, so zb Rivalitäten um Ressourcen.


Manchmal sind es aber auch Dinge, die erst auf den zweiten oder dritten Blick auffallen, so wenn beispielsweise einem Hund durch einen anderen die Wege verstellt oder der ungehinderte Zugang zu bestimmten Plätzen verwehrt wird.

 

Solche Zwistigkeiten, die oft auch in massives Mobbing mit Verletzungs- oder Todesfolge umschlagen können, sind sehr ernst zu nehmen und können für die beteiligten Hunde permanenten Stress bedeuten.


Eine Hundegruppe, die harmonisch miteinander statt nebeneinander her lebt, ist eine Bereicherung - sowohl für die Hunde, als auch für den Halter.

 

Doch es ist keine Selbstverständlichkeit, und schon gar nicht die Norm, auch wenn es oft als solche propagiert wird. 

 

Kommt es dann zu unterschwelligen oder offen ausgetragenen Konflikten, ist schnelles, aber wohl durchdachtes Handeln gefragt.
 
Genug oder schon zuviel?


Manchmal führt die Haltung mehrerer Hunde auch bei erfahrenen und langjährigen Hundehaltern zur Überforderung, und manch einer schlitterte schon in ein burn-out oder knapp daran vorbei. Der Tag hat nur 24 Stunden, und möchte man als verantwortungsvoller Hundehalter allen seinen Hunden gerecht werden, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, dass einer oder  mehrere zu kurz kommen könnten, sollte man rechtzeitig überlegen, wie man das alles am besten stemmen kann, ganz ohne Stress oder Hetzerei.


Artet Hundehaltung zum Stress für den Halter aus, und das passiert bei der Haltung mehrerer Hunde schnell, bleibt der Spaß am Hund und die Freude am gemeinsamen Tun irgendwann auf der Strecke und wird zum mühevollen "etwas tun müssen" anstatt zum freudigen "etwas tun wollen". Die Leidtragenden sind beide - Hund und Halter.

 

 

Dass Mehrhundehaltung keine "Frage der Mathematik" ist, wo Mehrhundehaltung aufhört und Animal Hoarding anfängt, über mögliche Schritte bei Disharmonien und über eigene Erfahrungen zu dieser schwierigen Thematik - darüber mehr in meinem nächsten Artikel.

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