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Ist das denn fair?

"Artikel über psychische Erkrankungen auf einer Seite und einem Blog über Hunde, was soll das?", mag sich der Eine oder Andere denken.


So abwägig ist das aber gar nicht.


Eine Studie von 2016 zeigt, dass in 43% aller deutschen Haushalte mindestens ein Haustier lebt. In 16 % aller Haushalte lebt mindestens ein Hund - in Zahlen 7,9 Millionen Hunde.


Zugleich haben nach einer Studie von 2015 etwa ein Drittel, genauer gesagt nahezu jede vierte männliche (22,0 %) und jede dritte weibliche (33,3 %) erwachsene Person im Erhebungsjahr zumindest zeitweilig unter voll ausgeprägten psychischen Störungen gelitten.
Die geschätzte Gesamtprävalenz für die 18- bis 79-jährigen Erwachsenen in Deutschland liegt bei 27,7 %. Am häufigsten sind Angst- (15,3 %) und depressive Störungen (7,7 %), gefolgt von Störungen durch Alkohol- und Medikamentenkonsum (5,7 %), Zwangs- (3,6 %) und somatoformen Störungen (3,5 %). Bevölkerungsbezogen vergleichsweise selten sind posttraumatische Belastungsstörungen (2,3 %), bipolare (1,5 %), psychotische (2,6 %) und Essstörungen (0,9 %).


Sieht man sich diese Zahlen an, kommt man unweigerlich zum Schluss, dass es hier auch eine Schnittmenge geben muss - die der Hundehalter mit psychischen Störungen. Bedauerlicherweise habe ich trotz intensiven Recherchen keinerlei aussagekräftigen Zahlen gefunden, doch zweifellos gibt es sie.


Ich bin einer davon - und deshalb schreibe ich diese(n) Artikel.

 

Da stellen sich natürlich eine Menge Fragen.

Geht das denn überhaupt, "irre" und Hundehalter?

Ist das fair dem Tier gegenüber?

Ist das nicht zu viel, einmal für den Hund, der diesem Spannungsfeld ausgesetzt ist und dann auch für den Halter?

Ist das nicht gefährlich für den Hund?

Fragen über Fragen.

 

Erst einmal grundsätzlich: Menschen mit Psychosen sind nicht die "gefährlichen Irren", als die sie oft abgestempelt und stigmatisiert werden. Sie als verrückt, faul, minderbemittelt oder - eine der "nettesten" Bezeichnungen, die ich bisher gehört habe  - "lebensunfähig" zu bezeichnen, ist nicht nur verletzend, sondern schlicht falsch. Viele stehen trotz ihrer Erkrankung mitten im Leben, sind geradezu Überlebenskünstler und sehr oft gute, treusorgende Hundehalter.


In dieser  Artikelserie werdet ihr nach und nach Informationen zu den verschiedensten Erkrankungen finden, aber auch, was die einzelnen Erkrankungen konkret für das Zusammenleben mit dem/den Hund/en bedeuten können. Wie auch in der  Rubrik "Hunde" versuche ich, diesen Themenkomplex aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, die auch unangenehme Fragen aufwerfen, hoffentlich aber auch Ideen zu ungewöhnlichen Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Desweiteren werde ich auch immer wieder persönliche Erfahrungen einflechten, die dazu dienen  sollen, manche Dinge verständlicher zu machen und/oder aber auch eine Brücke zur Realität des Lesers zu schaffen.


Psychosen


„Die Neurose verleugnet die Realität nicht, sie will nur nichts von ihr wissen; die Psychose verleugnet sie und sucht sie zu ersetzen.“ Sigmund Freud, 1924: Der Realitätsverlust bei Psychose und Neurose


Unterschied Psychose - Neurose


Zwischen Psychose und Neurose zu unterscheiden ist schwierig,  da eine Abgrenzung kaum möglich sowie der Übergang häufig fließend ist und die Störungsbilder jeweils zu vielfältig sind. Ein Beispiel sind Depressionen:
Bipolare (manisch-depressive) Erkrankungen werden klar den Psychosen zugerechnet, ebenso wie schwere unipolare Depressionen. Leichtere Depressionen gelten jedoch als mitunter als Neurosen. In der Praxis existieren allerdings fast ausschließlich Übergänge zwischen leichten, mittleren und schweren Depressionen, beziehungsweise Betroffene durchleben diese als verschiedene Phasen der Depression.


Abgrenzen muss man auch die Angst-und Persönlichkeitsstörungen, besonders, wenn diese als komorbide Störungen auftreten. Das gilt vor allem für schizoide und für Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Speziell bei Kindern ist auch eine Abgrenzung zu Störungen aus dem autistischen Formenkreis sowie geistigen Behinderungen und Entwicklungsstörungen vorzunehmen.


Psychosen, gleich welcher Art, gehen dabei grundsätzlich ohne Intelligenzminderung einher.


Speziell im Fall der Schizophrenie müssen  weitere Störungen ausgeschlossen werden, beispielsweise  dissoziative Identitätsstörungen und verschiedene organische Erkrankungen, die eine sekundäre Psychose verursachen können.
In jüngster Zeit wurde zudem eine spezifische Autoimmunerkrankung -Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis - entdeckt, die Symptome verursacht, die bislang einer Schizophrenie zugeordnet und als psychotisch wahrgenommen wurden.


Psychotische Störungen gelten als Erkrankung mit tausend Gesichtern. Das hat zum einen mit den verschiedenen Arten und Entstehungsgeschichten einer Psychose zu tun, zum anderen aber auch mit den teilweise individuell sehr unterschiedlich ausgeprägten Symptomen.


Aus diesem Grund findet sich der Ausdruck „Psychose“ in der medizinischen Klassifikation des internationalen Systems ICD-10 sowie des psychiatrischen Einordnungssystems DSM-IV in verschiedenen Kategorien.


Grundsätzlich häufige Anzeichen sind eine veränderte Wahrnehmung der Umgebung und von sich selbst. Das gesamte Gefühlsleben kann sich verändern, viele Reize und Aspekte der Umwelt werden sowohl anders beobachtet als auch verarbeitet und bewertet. Zusätzlich treten oft Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf. Nicht selten werden zufällige Ereignisse wie Begegnungen, Gespräche, Umweltreize oder im Extremfall das Fernsehprogramm als strukturierte, auf die eigene Person bezogene Kommunikation interpretiert.

Verschiedene psychotische Krankheiten, deren mögliche Entstehung und Symptome beschreibe ich in einem folgenden Artikel.
Ein weiterer Artikel befasst sich danach konkret damit, was das für den einzelnen Hundehalter bedeuten kann bzw. versucht Ansätze zu finden, wie er damit umgehen kann.

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